Mittwoch, Februar 08, 2012
   
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Vereinsgeschichte

Wie alles begann - Historisches

Im Jahre 2004 kann die Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen – Kleinlinden das 100 – jährige Vereinsjubiläum feiern. Wir wollen die Vereinsgeschichte in kurzen Sätzen für die seit langen Jahren Mitglied im Verein gefestigten Sportkameraden und passiven Angehörigen in Erinnerung rufen und gleichzeitig den jüngeren Mitgliedern, die dem Verein noch nicht so lange angehören, und allen Leserinnen und Lesern einen kleinen Einblick in die Geschichte des Vereins geben.

1904 im Monat Mai fanden sich 17 Kleinlindener zusammen und gründeten den ersten Radfahrerverein in Kleinlinden. Sie gaben ihm den Namen „Potentia“. Es dauerte allerdings nicht sehr lange und der Name wurde in Radfahrerverein 1904 Klein-Linden geändert.

Ein Jahr später trennte sich eine Gruppe ab und wollte einen neuen Verein gründen. Dieser, genannt „Wanderlust“, hatte aber nur ein kurzes Gastspiel gegeben.

Bis 1914 waren die Aktivitäten des Vereins Corso- und Wanderfahren, Straßen und Bahnrennen. Mannschaftsrennen war die beliebteste Sportart zu der damaligen Zeit. Kleinlinden hatte zudem eine der bekanntesten Rennteams im heimischen Bezirk. Auch Bahnrennen war damals in Gießen möglich. Die Bahn aus Beton war in einem hervorragenden Zustand und genoss sogar „Weltruf“. Ein Fahrer namens August Schaum durfte sich damals mit den Größten des Radsports messen und hatte sich einen Namen in dieser Sportart gemacht. Leider verstarb er im Jahre 1911 viel zu früh an den Folgen einer Kopfverletzung, die er sich bei einem Sturz auf der Bahn zugezogen hatte.

Nach dem ersten Weltkrieg kam auch der Saalradsport zu seinen Erfolgen, die sich sehen lassen konnten und dem Straßensport in nichts nachstanden. Reigenfahren war die damalige erste Saalraddisziplin.

 

Gründungsprotokoll vom 6. Mai 1927

Im Mai 1927 gründeten 10 Fahrer einen neuen Verein, den sie „Radclub Germania“ nannten. Radrennen war die dominierende Disziplin des neuen Vereins. Aber auch hier konnten Saalradsportler im Reigenfahren Erfolge verbuchen.

Am 4. Mai 1935 wurden die Vorstände der beiden Vereine vom Beauftragten des Reichsbund für Leibesübung zu einer Zusammenkunft gebeten. Auch der Ortsgruppenleiter der NSDAP war anwesend und erklärte, dass sowohl aus politischen, wie auch aus sportlichen Gründen eine Fusion der beiden Vereine erwünscht sei. Diese schlossen sich daraufhin zu der heutigen „Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen – Kleinlinden“ zusammen.

Leider brachte der zweite Weltkrieg den Radsport in Kleinlinden gänzlich zum erliegen. 23 Sportkameraden waren gefallen. Mit viel Fleiß der noch lebenden Aktiven wurde nach Kriegsende der Verein schließlich wieder zur neuen Blüte gebracht. Der größte Teil des Vereinsvermögens war verloren gegangen. Johannes Gärtner übernahm 1948 zunächst das Amt des Vorsitzenden, welches er schon viele Jahre vor dem Krieg inne hatte Am 21.05.1950 übernahm Albert Mohr den Vorsitz und schaffte es, in dieser schweren Zeit dem Verein wieder Leben zu geben. Mit der Anschaffung von zwei Kunsträdern fand die Jugend zusammen und der Hallenradsport erlebte einen Neuanfang. Dieses Amt verwaltete Mohr so lange, bis am 31.01.1954 Gottfried Deibel den Vorsitz übernahm. Er leitete den Verein bis 1964.

 

Horst Kloske, Hugo Klingelhöfer, Hans Weber, Heinz Klein, Waltraud Diehl, Ilse Lippert und Klaus Siegmann hießen die Kunstradfahrer, die sich mit Leib Seele ihrem Sport verschrieben hatten. Über Bezirks-, Hessen-, bis hin zur Süddeutschen Meisterschaft belegten die Kleinlindener 1947 im Einer- und Zweierkunstfahren und im Reigen fast ausschließlich Platzierungen unter den ersten Dreien. Radball folgte als weitere Saalsportart. Bernd Deibel, Wilhelm Schaum, Wilhelm Schimmel, Dieter Müller, Hans Weidenhaus, Erwin Drewniok, und Hans Ufer waren die tragenden Säulen dieser Abteilung. Die Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen – Kleinlinden konnte stolz sein auf eine starke Jugend in allen Bereichen. Zum Nachwuchs im Kunst- und Reigenradsport zählten Günter Schepp, Horst Weigel, Herbert Großer, Klaus Klein, Helmut Mohr, Brigitte Schön, Karin Siegmann und Hannelore Litzinger.

Historisches Vereinsbanner

Im Rennsport machten die Kleinlindener, Kurt Brück, Kurt Steinmüller, Walter Weller, Walter Brück, Herwald Glag, Waldemar Müller und Hilmar Kopp von sich Reden. Bald hatten sie im Radfahrerbund Oberhessen keine Konkurrenz mehr und der Verein trat dem Landessportbund Hessen bei. Bis 1958 konnte man beachtliche Erfolge erringen. Dann folgten bittere Jahre für den Verein.

Von 1959 bis 1964 kam der Sport erneut total zum Erliegen. Die aufkommende Motorisierung und mangelnde Möglichkeit für das Training, gerade im Saalradsport, waren unter anderem dafür die Gründe. Nachdem Gottfried Deibel 1964 sein Amt zur Verfügung stellte, erklärte Hugo Klingelhöfer sich bereit, den Vorsitz zu übernehmen, um den Verein neu aufzubauen. Leider verstarb er durch einen Unfall am 16.9.1965 und erneut kam das Vereinsleben zum Erliegen. Der Verein stand damals unmittelbar vor seiner Auflösung und darüber sollte im März 1967 in einer außerordentlichen Generalversammlung entschieden werden.

Man entschied sich glücklicherweise den Verein weiter zu führen und mit der Wahl des neuen ersten Vorsitzenden Horst Kloske sollte der Saalradsport wieder zum Leben erweckt werden. Sein Sohn Gerd und sein Neffe Dieter Fietkau begannen nun mit veraltetem Material auf dem alten Tanzboden im Hof des Gasthauses „Zum Strümpfchen“ in der Wetzlarer Straße mit den ersten Trainingsversuchen. Bevor das aber möglich war, musste der marode Boden mit Brettern geflickt werden. Bernd Deibel und Wilhelm Schaum, begeistert von dieser Idee, gesellten sich dazu und konnten den beiden wertvolle Tipps geben. 1968 beteiligten sich die beiden Mannschaften Kloske / Fietkau und Deibel / Schaum erstmals wieder an Bezirksmeisterschaften. Der Radballsport wurde eine feste Größe in Kleinlinden und das merkte man auch am Zuspruch der zahlreichen Jugendlichen in der Folgezeit. Viele Meisterschaften und Platzierungen konnte der Verein verbuchen, bis dann der Aufstieg 1974 in die Landesliga durch die Mannschaft Kloske / Fietkau geschafft war. Diese Klasse hielten später Dirk Reichhardt und Jens Jacobi bis zum Jahre 2001. Aus gesundheitlichen Gründen musste in diesem Jahr Jens Jacobi die Radballschuhe an den Nagel hängen und in der nachfolgenden Saison mussten sich die neu zusammengestellte Mannschaft Dirk Reichhardt und Steffen Wagner in die Bezirksklasse verabschieden.

1983, nach 15 Jahren als erster Vorsitzender, hatte Horst Kloske es geschafft, wieder Leben in die Radfahrervereinigung 1904/27 zu bringen. Neue Gerätschaften wurden angeschafft, die Durststrecke war geschafft.

Das Kunstradfahren bekam wieder auftrieb. Mit den Nachwuchsfahrerinnen Heike Adolph, Heike Ufer, Ulrike Köstering Waltraud Heilenz und den Geschwistern Silka und Andrea Lisy wuchs ein schlagkräftiges Team. Es wurden recht achtbare Efrolge erzielt und bei den Meisterschaften gute Platzierungen erreicht. Allerdings konnte man nie mehr an die damaligen Erfolge anschließen.

Der Rennsport erlebte jetzt seine nicht mehr erwartete Auferstehung. 15 Fahrer in allen Klassen, von der Jugend bis zu den Erwachsenen (die heute „Elite“ heißen), fuhren für die Radfahrervereinigung. Als herausragendes Talent wurde Rainer Weller gehandelt. Er holte mehrere Titel auf der Straße und auch beim Bahnrennen. Besonders der Bahnradsport faszinierte ihn. Dort konnte er seine größten Erfolge erzielen. Als später aber seitens der Rennfahrer Forderungen an den Vorstand gestellt wurden, für deren Erfüllung absolut keine Masse vorhanden war, drehten die Rennfahrer dem Verein den Rücken. So blieb also nur noch der Saalradsport, vornehmlich der Radball.

1973 veranstaltete die Radfahrervereinigung das erste Volksradfahren unter dem Motto „Trimm Dich“. Durch das Zeitalter der Motorisierung war die Menschheit träge geworden und mit der neuen – alten Bewegungsart Radfahren hatte man etwas wieder entdeckt, was in Vergessenheit geraten schien. Über 600 „Linneser“ nahmen an den Veranstaltungen teil. Am Ziel glich der Rummel einem Volksfest. Bis heute wird dieses Spektakel mit anschließendem gemütlichen Beisammensein am Grillplatz am Hellberg durchgeführt. Leider, durch Generationenwechsel bedingt, ist das Volksradfahren heute „actionmäßig“ für die Jugend nicht mehr so interessant.

1979 wurde im Bürgerhaus Kleinlinden das 75. Jubiläum mit einem Kommerzabend gefeiert. Mit einem bunten Programm begeisterte der Verein das Publikum. In diesen und den folgenden Jahren lebte der Verein eigentlich nur vom Radball. Kunstradfahren wurde zwar zeitweise wieder versucht ins Leben zu rufen, aber es scheiterte an geeigneten Trainern. Rennsport war aufgrund der zurüskliegenden Ereignisse für die Vorstandsmitglieder über Jahre hinweg noch ein rotes Tuch. Selbst für Radtourenfahren gab es kein grünes Licht, denn man verglich die Sportler immer wieder mit den Rennfahrern. Neue Mitglieder konnte man kaum gewinnen, Schüler und Jugendliche interessierten sich mehr für Fußball oder andere leicht zu erlernende Sportarten. Der Radballsport, der vielen Schülern noch heute etwas fremdes ist, ist eben geprägt von Geschicklichkeit und Trainingsfleiß. Kinder, die heute nicht nach wenigen Trainingseinheiten einen Ball wegschießen können, verlieren den Mut und das Interesse, denn Fußball kickten sie schon, als sie das Laufen begannen. Gerd Kloske versuchte Ende der achtziger Jahre mit seiner Tochter Kerstin und zwei ihrer Schulkameradinnen Kirsten Hofmann und Christiane Fenner das Kunstradfahren wieder zu beleben, was aber wieder am Fehlen der geeigneten Trainern scheiterte. Dadurch aber hatte man durch interessante Veranstaltungen nur für Schülerinnen und Schüler plötzlich wieder 15 Schüler im Radballtraining. Davon sind heute noch Steffen Wagner und Jens Götzenberger aktiv.

1983 wurde Bernd Deibel zum 1. Vositzenden sowie der aktive Radballspieler Norbert Magel zum 2. Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt begleiten beide noch heute. Magel spielte in der Zeit von 1980 bis 1990 in der Bezirksklasse, wurde des öfteren auch als Ersatzspieler bei Landesligameisterschaften eingesetzt.
Mitte der 80er Jahre bildeten die Kleinlindener Radballer eine Spielgemeinschaft „Fünfer – Radball“ mit Krofdorf Gleiberg. Auch diese Verbindung konnte gemeinsam einige schöne Erfolge verbushen.

Eine neue Disziplin entstand Anfang der 90er Jahre – Radwandern. Das war etwas nicht nur für die Mitglieder, sondern für alle Menschen, die gerne gemütlich in einer Gruppe mit dem Rad unterwegs sein wollten. Zwei Jahre später versuchte man eine Tour über zwei Tage zu organisieren. Entlang der Tauber von Rothenburg o. d. T. bis nach Wertheim, mit der Besichtigung des Fecht–Leistungszentrum in Tauberbischofsheim. Die erste Zweitagestour war bei den Beteiligten sehr gut angekommen. Bis heute wird einmal im Jahr eine solche Tour über zwei Tage durchgeführt. Sie hat nichts an Reitz verloren.

Ebenfalls etwa um diese Zeit, schlossen sich Gerd Kloske und Heinz Otto Baum dem damals einzigen Radtourenfahrer Manfred Sehnwitz an. Sehnwitz fuhr schon jahrelang zu den RTF – Veranstaltungen. (RTF = Radtourenfahren) Mit drei Leuten meldete man sich bei den Gastgebenden Vereinen an. Schnell kamen Volker Hofmann dazu und schließlich Peter Schaum, der auf diese Sportart bei seinem 25. Vereinsjubiläum aufmerksam wurde. So wuchs die Sparte langsam aber stetig. Im Jahre 1991 veranstaltete die Radfahrervereinigung die erste eigene RTF, die bis heute mit großem Erfolg fester Bestandteil im hessichen RTF-Zirkus ist. Die Abteilung zählt mit etwa 50 Aktiven Sportlern zu den Größten im Verein.

Zur gleichen Zeit, 1990, kam die Idee auf, durch ein Faltblatt an alle Haushalte auf die Neuerungen im Radsport aufmerksam zu machen. Aus der Idee „Faltblatt“ wurde ein Vereinsheft, dem man den Namen „Speiche“ gab. Volker Hofmann, Heinz Otto Baum und Gerd Kloske, der seit geraumer Zeit für die Presseberichte verantwortlich war, gestalteten das erste Heft. Volker Hofmann setzte die Schriften mit einem Computerporgramm und mit Schere und Kleber wurden die Werbungsblöcke in die einzelnen 24 Seiten eingearbeitet. Heute hat die „Speiche“ über 60 Seiten. Schere und Kleber werden nicht mehr benötigt.

1996 nahm eine Frau namens Karin Freitag mit ihren Kindern Jonas und Daniel an unserer RTF teil. Die Drei waren vom Radsport so begeistert, dass sie sich gleich im Verein anmeldeten. Nach einigen RTF – Veranstaltungen wollte die Kinder aber mehr und hatten bei einem Schnupperrennen in Rockenberg Blut geleckt, als sie mit ihren schweren Mountainbikes einige der Nachwuchsrennfahrer hinter sich ließen. Es war der Anfang einer neuen Epoche im Straßenrennsport. Dazu lesen Sie bitte den Rückblick in der Sparte Rennsport. Durch die zahlreichen Erfolge der Jungs, die mittlerweile bis über die Grenzen Hessens hinaus bekannt wurden, wuchs auch die Rennabteilung wieder. Der Vorstand wurde modernisiert ohne die Vergangenheit bezüglich des Rennsports aus den Augen zu verlieren.

Der Zeitgeist entdeckte eine weitere Art, mit speziellen Rädern, nämlich mit den Mountainbikes durch Feld und Wald zu fahren. Michael Stein machte sich den Mountainbikesport zur Aufgabe. Er bot, ähnlich wie bei dem Radwandern, jedes Wochenende gemeinsame Touren an. Zwei Jahre lang wartete er vergebens auf interessierte Radsportler, die dieses Angebot annahmen. Erst nachdem die erste CTF (Country – Touren – Fahren) im Jahr 2000 durchgeführt wurde, wuchs das Interesse in Kleinlinden und wurde die Geduld von Michael Stein belohnt. Heute zählen 15 Radlerinnen und Radler zur Mountainbike–Gruppe.

Mit Stolz können Vorstand und Mitglieder der Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen – Kleinlinden an ihrem Jubiläum im Jahr 2004 auf 100 Jahre Radsport zurückblicken. Trotz vieler sorgenvoller Ereignisse und Umständen wurde nie am Fortbestand gezweifelt. Ein aktiver, arbeitsfreudiger Vorstand wird den Radsport auch in der Zukunft in vielseitiger Art pflegen und fördern.