Training für den Saisonhöhepunkt
Ötztaler Radsportwoche 2007
Ein Reisebericht von Hartmut Pommerening
22. Juli 2007 – Schon im Frühjahr hatte ich gemeinsam mit meinen Radsportfreunden Steffen Richter, Holger Pippirs und Stephan Böhm aus Minden und Umgebung eine Ötztaler Radsportwoche in Sölden gebucht.
Das war ein Angebot mit Halbpension im Hotel Alpina, mit fünf geführten Radtouren,
inklusive Begleit-, Verpflegungs- und Reparaturservice unterwegs.
Also eigentlich genau das, was wir brauchten, um für den diesjährigen Ötztalmarathon noch einmal ordentlich Höhenmeter in die Beine zu bekommen.
Die An-und Abreise unternahmen wir in Stephans komfortablen Wohnmobil.
Am Sonntag den 22. Juli ging es los.
Die drei Mindener lasen mich an der Raststätte Großenmoor an der Autobahn A7 auf, bis zu der mich meine Frau gebracht hatte. Nach problemloser Fahrt trafen wir noch pünktlich zum Abendessen aber etwas zu spät zur Einweisung durch die Guides ein.
Das waren u. a. die Extremradsportler Wolfgang Fasching, 3- mailger Race- across- America- Sieger, sowie Franz Preihs und der Hotelchef Lukas Riml.
Übrigens alle sehr nett und kompetent. 
1. Tag, Mo. 23. Juli: Pitztaltour, 110Km, 1120 Höhenmeter, Ø25,88 Km/h
Start von Sölden talauswärts bis Sautens, weiter über eine ruhige Nebenstraße mit leichter
Steigung nach Roppen und weiter in leichter Steigung bis Höhenmeter 1100 nach Jerzens im Pitztal. Von hier aus weiter bis zur Abzweigung Pitztal/Imst und über einen kleinen Anstieg nach Karrösten und wieder hinunter zur Ötztaler-Höhe. Labeservice beim Restaurant Palmito. Und wieder die leicht ansteigende Straße über 38 km retour zum Ausgangspunkt Sölden (Beschreibung des Ausrichters).
Die Tour war eher leicht und auch das Wetter war schön. Allerdings blies uns an diesem Tag auf dem letzten Abschnitt von Otz nach Sölden der Wind ganz schön ins Gesicht …, zu stark um sich nur „einzuradln“.
2. Tag, Di. 24. Juli: Ötztaltour, 74Km, 1400 Höhenmeter, Ø 24,39 Km/h
Für diesen Tag war Regenwetter angesagt und eigentlich ungewiss, was wir überhaupt unternehmen würden. Pünktlich nach dem Frühstück goss es tatsächlich. Um 11:00 Uhr kam ein wenig die Sonne raus und fast alle der 34 Teilnehmer trafen sich zur Ausfahrt. Es ging hinunter nach Längenfeld und von dort hinauf nach Gries. Da war Endstation in dieser Richtung und der Weg führte uns wieder ins Tal und zurück hinauf nach Sölden. Von dort aus ging es weiter über Zwieselstein in ein malerisches Seitental mit einem wilden Gebirgsbach nach Vent zu den Rofenhöfen. Es war ziemlich kalt und wir waren froh, dass wir, dort angekommen, am Begleitfahrzeug trockene Sachen anziehen konnten.
Die Rückfahrt ging dann zwar gegen den Wind aber immerhin fast ausschließlich bergab.
3. Tag, Mi. 25. Juli: Innerötztaler Höhenmetertour, 59Km, 2100 Höhenmeter, Ø16,28Km/h
Wolfgang Fasching hatte uns diesen Tag mit „ …alles andere bisher war nur Kinderfasching…“
angekündigt. Es sollte von Sölden 1370m auf den Rettenbachgletscher 2700m gehen.
Ein paar echte Freaks hatten abends angekündigt „…wir wollen uns vorher noch warm fahren …“
So schlecht ist die Idee übrigens gar nicht, denn man hat nicht mal 1Km in Richtung Timmelsjoch und dann geht es rechts hoch. Auf ca.14Km sind 1400 Höhenmeter zu bewältigen und es gibt kaum Serpentinen. Ich habe ja kein so modernes Equipment, aber besser ausgerüstete Leute haben erzählt, die hätten ständig zischen 13…14% auf dem Tacho gehabt.
Ich glaube es war der schwierigste Berg, den ich jemals gefahren bin. Am schwersten war im steileren Anfangsabschnitt den Rhythmus zu finden, ohne ständig im roten Bereich zu sein. Und ich bin 30 vorn und 25 hinten gefahren, als alter Mann gönnt man sich ja so was. Die Gegend ist herrlich, der Ausblick zurück ins Tal lohnenswert. Oben am Gletscher war es wiederum ziemlich kalt.
Also Trockene Klamotten an, ein paar Fotos gemacht und die Abfahrt zurück. Wie gesagt kaum Serpentinen, deswegen auch die 82 Km/h max. an diesem Tag. Da wir Gries wegen des schlechten Wetters schon am Vortag „erfahren“ hatten, mussten wir uns die Höhenmeter für diesen Tag woanders holen. Also fuhren wir zur Mautstation am Timmelsjoch. Diese Seite war ich bisher noch nicht aufi gefahren …
Oben haben wir ausgiebig Rast gemacht, uns ein wenig Sonne gegönnt und sind pünktlich zur Nachmittagsjause (incl.) wieder nach Sölden zurück gefahren. Außerdem hatten wir für den Nachmittag Massagen bestellt in Vorahnung der letzten beiden Tage (nicht incl.). 



4. Tag, Do. 26. Juli: Der Ötzi, Teil1, 141Km, 2100 Höhenmeter, Ø25,23 Km/h
Wir starten zur original Strecke des ÖTZTALER RADMARATHON. Von Sölden aus bis Oetz talabwärts bis zum Anstieg zum 2000 m hochgelegenen Ort Kühtai. Übers Sellrain geht es abwärts bis Innsbruck. Nun fahren wir im stetig leichten Anstieg über die Brennerbundesstraße bis zur Passhöhe und rollen bis zum 1. Etappenzielort Sterzing. Übernachtung mit Frühstück in einem Hotel in Sterzing. (Beschreibung des Ausrichters)
Der Tag brachte uns bestes Wetter, kaum Wind, viel Sonnenschein und eigentlich alles, was das Radfahrerherz erfreut. Im Mittelstück des Kühtaianstieges kurz nach dem Ochsengarten habe ich dann allerdings überlegt, ob ich zum Ötzi nicht doch das 27er Ritzel hinten drauf machen soll. Da ist es doch mächtig steil… An diesen Abschnitt hatte ich so und so keine guten Erinnerungen, war mir doch hier beim Ötzi 2006 der Schaltungszug gerissen.
Die Abfahrt vom Kühtai war ein Erlebnis. Nur wenig enge Kurven, trockene Straße und 85km/h max. auf dem Tacho. Paarfahren mit Holger machte es möglich.
In Kematen fanden wir wieder alle zusammen und es ging entgegen der Originalstrecke des „Ötzi“ an Innsbruck vorbei über Axams zur alten Brennerstraße.
Unser 34er Feld teilte sich in mehrere Gruppen, so dass jeder mit seinem Tempo in einer Gruppe den Brenner erreichen konnte. Dort oben war kurze Rast, und dann ging es gemeinsam in die Hotels etwas außerhalb von Sterzing.

.
5. Tag, Fr. 27. Juli: Der Ötzi, Teil 2, 92Km, 3200 Höhenmeter, Ø16,86 Km/h
Hoffentlich gut ausgeschlafen und erholt von den Strapazen der letzten Tage geht’s weiter zur
finalen Etappe über zwei der schönsten Pässe der Gegend. Von Sterzing zum Jaufenpaß mit
2085 m und rasanter Abfahrt bis St. Leonhard im Passeier. Vom fast mediterranen Flair und
Klima St. Leonhards weg, Kehre um Kehre bergauf zum Timmelsjoch. 2509 m. Nun geht’s bergab bis zum Ausgangsort Sölden. (Beschreibung des Ausrichters)

In der Nacht zuvor hatte ich richtig gut geschlafen. Wir hatten abends unsere Räder noch einmal versorgt, speziell nach den Bremsen geschaut etc. Leider war mir aber entgangen, dass an einer Stelle meines Hinterreifens die Leinwand durchschimmerte. Also war nach dem Frühstück noch ein Reifenwechsel fällig. Das brachte natürlich Hektik mit sich. Da ich mir im kurz vor der Tour mit der Gartenschere den Daumen lädiert hatte, musste Steffen dafür herhalten. Von hier aus noch einmal vielen Dank für alles.

Von unserem Hotel außerhalb von Sterzing hatten wir ca. 5 Km Anfahrt bis zum Fuß des Jaufenpasses. Von dieser Seite aus ist er landschaftlich nicht ganz so schön wie von St. Leonhard aus. Trotzdem lohnt es sich, immer mal wieder den Blick ins Tal und auf die gegenüberliegenden Gebirgszüge schweifen zu lassen. Oben wartete wieder unser Begleitfahrzeug, so da wir zumindest die Flaschen füllen oder auch die eine oder andere Leckerei verdrücken konnten. „Opa Riml“ hatte immer selbstgebackenen Kuchen im Kofferraum, der genau so schmackhaft wie nahrhaft war. Die Abfahrt ist mit reichlich engen Kurven gespickt. Also war Vorsicht geboten.
Letzter Blick zurück
Leider hat kurz vor dem Ortseingang von St. Leonhard ein Autofahrer beim Ausfahren aus einer Seitenstraße eine unserer Mitfahrerinnen übersehen und ihr die Vorfahrt genommen. Sie konnte zwar noch etwas bremsen, hat den PKW aber trotzdem mit Wucht gerammt, und ist über diesen hinweg katapultiert worden. Wunderbarerweise hat kam sie mit Abschürfungen und Prellungen davon. Das konnte man kaum glauben, wenn man das Rad gesehen hatte: Totalschaden !!!.
Am Kreisel in St. Leonhardt fanden wir uns erneut zusammen, um den Anstieg zum Timmelsjoch in Angriff zu nehmen. Für mich war das in diesem Jahr übrigens schon das dritte Mal. Ich muss sagen, ich bin immer zufrieden, wenn ich in Schönau am Gasthaus bin, denn danach geht es endlich in die Serpentinen jenseits der Baumgrenze und ein Ende ist abzusehen. Das macht in diesem Abschnitt des Anstiegs den Reiz aus: man hat immer das nächste Ziel, nämlich die nächste Kehre, im Visier und kann im wahrsten Sinne des Wortes „rückblickend“ sehen, von wie weit unten man sich schon hochgearbeitet hat. Das geht natürlich nur bei schönem Wetter, wie es uns an diesem Tag auch beschieden war.
Geschafft!! Jetzt gehts (fast) nur noch Bergab
Bei der ersten Tunnelpassage hatte ich wieder so meine Probleme …. Ich habe im Dunkeln total Schwierigkeiten, die Balance zu halten und fahre wie auf rohen Eiern.
Von da aus ist es nicht mehr weit bis zum höchsten Punkt. Auf 2509 m angekommen gab es wie immer Fototermin und eine ausgiebige Rast mit Gulaschsuppe.
Den größten Teil der Abfahrt kannten wir ja schon von der Tour am Mittwoch, also nicht wirklich was neues.
Nach dem Abendessen fand dann der Abschiedsabend statt. Jeder Teilnehmer bekam eine Urkunde und eine „echt coole“ Wind-/Regenjacke als „Belohnung für die Strapazen“. Die Ausrichter waren interessiert an unserer Meinung zu diesem Event, die meiner Meinung nach durchweg positiv gewesen sein müssten.
Das Ötztal hat aufgrund der topographischen Beschaffenheit Nachteile für Auswahl von Touren, so dass wir einige Strecken (speziell Zwieselstein- Sölden – Ötz und retour) halt mehrmals gefahren sind.
An diesem Abend gönnten wir uns dann doch mehr als nur ein Bier und hatten sehr nette Gespräche mit Wolfgang Fasching, Franz Preihs und dessen Frau. Nur Stephan hatte an diesem Tag wirklich alles gegeben, mit seinem „Angriff am Jaufen“ hatte uns alle überrascht… und musste nun dafür büßen und zeitig ins Bett.
Fazit:
Eine sehr gelungene Woche mit engagierten Guides und ausgezeichneter Betreuung,
hervorragender Verpflegung sowohl beim Frühstück als auch beim Abendessen und unterwegs,
sehr gutem Wellnessangebot und vielen netten Leuten.
Gefahrene Strecke: 476Km
Höhenmeter: 10220
Preis: ca. 550€/ Person im Doppelzimmer (incl. Getränke im Restaurant und an der Bar)