Alpentour der Marathonis
Dorf Tirol, 7.6. – 11.6.07 – Wie schon sehr oft in den letzten Jahren war auch für dieses Frühjahr eine Alpentour geplant. Dazu bot sich das Fronleichnamswochenende an.
Leider überschnitt sich dieser Termin mit unserem MLP- Rennen, bei dem wir auch gern dabei gewesen wären.
Lutz Müller hatte sich im Vorfeld gekümmert und in unserem Zielgebiet in Dorf Tirol (Tirolo) Zimmer im Hotel „Turmwies“ bei Familie Prantl gebucht.
Hier die kurze Schilderung unserer Erlebnisse:
Donnerstag, 7.6.2007
Wir, das sind Marion Alt, Michael Alt (Micky), Peter Schaum (Pitt), Phillip Nimtsch,
Hartmut Pommerening (Pomme), trafen uns in Klein- Linden bei Pitt vor der Haustür.
Lutz hatte beruflich in München zu tun und war schon mal vorgefahren. An dieser Stelle schickt es sich, erst einmal die beiden Gäste vorzustellen. Marion kennen wir schon von verschiedenen Marathons (unter anderem Freiensteinau, Bimbach und Ötzi) und von gemeinsamen Trainingsfahrten „Rund um Limburg“, Micky haben wir beim letzten Ötzi kennen gelernt. Persönlicher lernt Ihr Sie dann auf den Fotos kennen.
Wir beluden Pitts Renault Scénic und Pommes VW Passat mit 5 Rädern und unserem Gepäck, und gegen ca. 01:15 Uhr ging es los. 723 Km lagen vor uns. So stand es zumindest auf Pommes Routenplan. Die Fahrt führte uns problemlos über Hanau- Würzburg- Ulm- Kempten- hin zum Fernpass. So ganz einfach war die Fahrerei zu so später bzw. früher Stunde nicht, aber wir konnten ja die Fahrer wechseln. Alles wäre glatt gegangen, hätte Pomme nicht beim Tanken vor dem Fernpass seine Mastercard auf dem Tresen der Kasse vergessen. Da ihm dies erst ziemlich spät nach dem Fernpass auffiel, kamen er und Micky leider erst mit 90min Verspätung gegen 10:30Uhr in den Genuss des ausgiebigen zweiten Frühstücks im Hotel Turmwies in Tirolo. Zu hinterfragen wäre übrigens auch, ob die Route über Fernpaß, Reschenpaß und Vinschgau tatsächlich die günstigste ist. Es gibt dazu mehrere Alternativen mit und ohne Maut, mit und ohne Pässe …
Wir hielten uns nicht lange mit der Vorrede auf. Pitt konnte kaum noch die Beine still halten und war ständig am Drängeln. Schnell war die Tour für den Rest des Tages ausgeguckt:
Es ging von Tirolo zum Gampenpaß (1.512m üNN) und zurück, landschaftlich nicht das Highlight aber durchaus passabel zum Einrollen. Auf der Abfahrt fuhr Marion über einen Gesteinsbrocken und schlitzte sich Mantel und Schlauch am Vorderrad auf. Gott sei Dank ist Sie nicht gestürzt. Der Schaden war relativ schnell behoben und in Lana konnten wir auch Ersatz beschaffen. Am Ende des Tages mussten wir erkennen, dass der herrliche Ausblick von Tirolo hinunter nach Meeran seinen Preis hatte: Er wollte jeden Abend „erradelt“ werden
1. Tag: 70Km, 1.700 Höhenmeter

Freitag, 8.6.2007
Für den zweiten Tag hatten wir uns schon eine kleine Herausforderung ausgesucht.
Die Tour sollte uns von Tirolo über St. Leonhard auf das Timmelsjoch (passo Rombo, 2.509m üNN) führen. Das Timmelsjoch ist übrigens der Übergang vom Passeiertal in Italien zum Ötztal in Österreich und in dieser Richtung auch Bestandteil des Ötztaler Radmarathons. Marion war auch am zweiten Tag vom Pech verfolgt. Sie verlor kurz hinter/über Moos ihre rechte Kurbel. Die Schraube hatte sich gelockert. Pomme und Phillip, die in dieser Situation schon einige Meter hinter ihr fuhren, konnten auch nicht helfen. Keiner, auch nicht die angehaltenen Auto- und Motorradfahrer, hatten einen 8ter Imbus dabei. Sie rollte also wieder hinunter nach Moos um Hilfe zu suchen. Micky, der zusammen mit Pitt schon weit voraus war, empfing ihren telefonischen Hilferuf und kam zurück. So richtig hatten die beiden sich jedoch nicht verständigt: Erst weit unterhalb von Moos fiel ihm auf, dass sie doch so weit nicht hinunter gefahren sein konnte. Also ging es wieder hinauf, bis er sie in Moos an der Tankstelle fand. Er hat an diesem Tag deutlich mehr Höhenmeter auf der Uhr als alle anderen. Pitt wartete der letzten Jausenstation Schönau bis Pomme und Phillip eintrafen. Schönau liegt am Timmelsjoch übrigens genau da, Zitat Micky: „ …wo es anfängt bergauf zu gehen…“ Spätestens nach dieser Bemerkung wurde uns klar, was wir uns da für einen Typen eingeladen hatten. Nachdem wieder alle Flaschen aufgefüllt waren, ging es in den letzten Anstieg, der viele Serpentinen für den Radler bereithält. Schönes Wetter bescherte uns wunderbare Ausblicke auf die Berge der Texelgruppe und der Ötztaler Alpen. Aber der Wetterbericht hatte Gewitterbildung vorausgesagt … Oben angekommen, teilten wir uns das Terrain mit unzähligen Bikern, die an diesem Tag deutlich in der Überzahl waren. Nach den obligatorischen Fotos, einigen Gulaschsuppen und Kaiserschmarren bereiteten wir uns auf die Abfahrt vor. Lutz hatte die Situation am ehesten erkannt. Dunkelgraue Wolken ballten sich zusammen. Er sagte „…ich fahr dann mal jetzt…“ und Pomme sagte „…ich komm´ mit…“ Nur fing es da direkt an zu regnen und Pomme blieb doch. Er wurde dann zusammen mit den anderen bei der Abfahrt kräftig geduscht und Lutz nicht. In Schönau schlug der Regen Blasen auf den Asphalt und Pomme fasste hier den Entschluß: Ab morgen sind Beinlinge immer am Mann. Beim Eis oder Kaffee im Cafe in St. Leonhard haben wir uns dann wieder versöhnt mit dem Timmelsjoch.
2. Tag: 99 Km 2.400 Höhenmeter

Sonnabend, 9.6.2007
Für den dritten Tag unserer Alpentour hatten wir die „Königsetappe“ geplant.
Es ging zuerst wieder nach St. Leonhard. Als erstes stellte sich uns der Jaufenpaß (passo Giovo, 2.099m üNN), die Verbindung vom Passeiertal zur Brennerregion, in den Weg. Die erfahrenen „Ötzis“ Pitt und Phillip meinten „…auch mal interessant, anders herum als sonst immer …“ Die Bedingungen waren eigentlich ideal, nicht zu warm und kaum Wind. Micky und Pitt rasten wie immer vorne weg, Marion stampfte etwas langsamer hinterher und Philip und Pomme fuhren erst mal ein Stück gemeinsam. Lutz wollte an diesem Tag „nur den Jauffen machen“, das hatte er vorher schon angekündigt. Wir haben uns dann alle oben getroffen und keine lange Pause gemacht. Lutz ist wieder nach St. Leonhard abgefahren und hat sich in Meeran einen schönen Nachmittag gemacht. Die Abfahrt nach Sterzing verlief problemlos. Aber dann fing das Elend an, der Aufstieg zum Penserjoch (2.214m üNN), der Verbindung vom Pensertal zum Sarntal. Die Anstiege dort haben durchschnittlich 10% über ca. 14Km, stellenweise sind es aber auch 12% und absolut kein flaches Stück dabei. Jedenfalls kann ich mich an keines erinnern. Unten drin war es dazu noch ziemlich warm. Und dann kommst Du aus dem Wald, schaust nach links oben und siehst schon, wo du noch hin musst. Eine lang gezogene Linie im Geröll, keine Serpentinen und ein Haus oben im Joch klein wie von der Modelleisenbahn. Die Landschaft herrlich, aber es ist noch so weit und am liebsten möchtest du das Rad in den Graben schmeißen, aber die Marion fährt hinter dir und wenigstens an diesem einen Berg möchtest du mal eher oben sein …. Also 50m im Sitzen und 30m im Stehen und immer so weiter, Gel rein, Riegel rein, Trinken, keine Zeit für Fotos wie noch am Timmelsjoch oder am Jauffen. Dann auf einmal Motivation pur: Pitt ist auch noch nicht oben, das blau/rot/weiß des RV Kleinlinden noch in Sichtweite, hurra !!!. Nur Micky längst nicht mehr zu sehen, na ja der fährt in ´ner anderen Liga.
Oben fällen alle das gleiche Urteil: Das war eine grenzwertige Erfahrung.
Die Abfahrt durch das Sarntal ist genial, weil nicht steil, dafür aber ellenlang und wegen der vielen Tunnel (unbedingt Rücklicht mitnehmen), Burgen und Burgruinen sehr reizvoll. Es geht rasend bis nach Bozen. Wir brauchten ja fast nicht zu treten, Micky und Pitt haben die ganze Arbeit im Wind gemacht. Die anderen drängelten sich da auch nicht vor. Jetzt ging
es uns wieder gut. Von Bozen aus führte uns der neu angelegten Radweg durch das Etschtal nach Meran. Die letzten ca. 250 Höhenmeter hinauf nach Tirolo taten noch mal so richtig weh.
3. Tag: 156Km, 3.300 Höhenmeter

Sonntag, 10.6.2007
Nach dem Frühstück verabschiedete sich Lutz. Er hatte am Montag geschäftlich zu tun und konnte deshalb nicht länger bleiben.
Die anderen Fünf luden ihre Räder ein zur Anfahrt mit dem Auto nach Prada (Prato allo Stelvio, 920m üNN). Hauptziel unserer Tour für diesen Tag war das Stilfser Joch (2752m üNN). Pitt kannte sich wie immer bestens aus und wusste einen Parkplatz mit einem Brunnen, der uns Erfrischung nach den Anstrengungen versprach. Die Temperaturen waren am Rande des Erträglichen, es war ziemlich heiß. Zuerst führt der Aufstieg ziemlich geradlinig parallel zum Stelvio und beginnt sich erst dann ins Gebirge zu schlängeln.
Micky und Pitt wie immer vorne weg, Phillip und Marion fuhren gemeinsam, Pomme hinterdrein. Insgesamt 45 Kehren bis zum Joch werden durch die Straßenmeisterei ausgewiesen. Teilweise sind auch die Höhenmeter über NN angegeben. Immer wieder gibt der Wald herrliche Ausblicke auf die noch schneebedeckten Gipfel der Ortlergruppe frei.
Hier lohnte es sich wieder, Fotos zu schießen. Nach der Baumgrenze, da hat man noch etwa 850 Höhenmeter vor sich, eröffnet sich der Blick auf die restlichen Serpentinen, die sich durch das Geröll bis hin zum Joch schlängeln.
An einem Gasthaus bei etwa 2.100 üNN hat man letztmalig Gelegenheit, die Flaschen aufzufüllen. Hier hatte vor kurzem ein junger Braunbär ein Schaf gerissen, gab ein Aushang am Eingang bekannt.
An diesem Tag waren die Abstände am Joch doch erheblich: Micky 2:10h … Pomme 2:40h. Die landschaftlich schöne Abfahrt führte uns teilweise über gesplittete Staßen durch einen Zipfel der Schweiz. Wir passierten das Örtchen Sta. Maria im Münstertal und radelten über Schluderns zurück nach Prada.
4. Tag: 64Km, 1.830 Höhenmeter
Montag, 11.6.2007
Rückreise (mautfrei über St. Leonhard- Jaufenpass- Sterzing- alte Brennerstraße- Insbruck- Mittenwald. Garmisch- München- Nürnberg- Würzburg- Hanau- Gießen)
(empfehlenswert nur wenn man Zeit hat, schneller ist die Autobahn)
Fazit:
Es war ein überaus gelungener Ausflug, der durchaus hohe körperliche Anstrengungen mit herrlichen Eindrücken der rauen Alpenwelt miteinander verband.
Die Stimmung in der Gruppe war durchgehend super und auch den kulinarischen Genüssen der Tiroler Küche und Weinberge haben wir vieles abgewinnen können.
Ich möchte ein wilder Gebirgsbach sein.
Klar, schäumend, rauschend und blinkend.
Unhaltsam kämpfend von Stein zu Stein
Mich an mir selber betrinkend.
(aus Gedicht von Joachim Ringelnatz)








Radtouren gesamt
389Km
9.320 Höhemeter