635 Km in einem Stück mit dem Rennrad
Irgendwie geht alles, wenn man den Schmerz erträgt
Ein Bericht von Lutz Müller
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Hallo Leute,
ich habe einen wichtigen, leztlichen Schritt zur Qualifikation „Paris Brest Paris“ gemeistert. Einen Brevet über 635 Km!!!!
Die Qualifakationvorrausetzungen für „PBP“ sind erfüllt, aber jetzt kommt der nächste schwere Schritt, nämlich die Form bis zu dem „Ereignistermin“ am 20.8. herüber zu retten, oder, wichtiger noch, aufzubauen.
Am 19.05.2007 bin ich morgens um 4:00 Uhr nach Wolfenbüttel aufgebrochen um dort den 600ér Brevet zu fahren.
Start in Wolfenbüttel
Mein „Autonavi“, leitet mich fehlerfrei bis vor den Startort, ich baue mein Rad auf, hole die Startunterlagen und es sollte bald losgehen.
Fünfzehn Leute waren da, u.a. Martin K., der ehemals hessische Beauftragte und
Harald W. aus Wetzlar, der mir diesen Brevet auch empfohlen hat, da er sich im Profil als vermeintlich flach darstellt, außerdem wusste er dass der Organisator ein Liegeradfahrer ist und die können nicht so ganz steile Berge fahren.
Noch ein kurzes „Briefing“ und ab ging es, wir fuhren in Wolfenbüttel los, gleich in Richtung „neue Bundesländer“, nach Oschersleben, Halberstadt, bis nach Madeburg, hier war auch, bei Km 85, die erste Kontrolle.
Weiter ging es die Elbe entlang über Schönebeck, Gommern, Coswig, nach Wittenberg, wo bei Km 171 die zweite Kontrolle war.
Die Strecke war weiterhin flach und wir kamen zügig voran.
Das Wetter war gigantisch, nämlich nicht zu kalt und nicht zu heiß, hier habe ich, dieses Jahr, sowieso das goldene Los gezogen, das was ich letztes Jahr alles im Regen gefahren bin, entschädigt mich dieses Jahr, ich hatte sogar einen kleinen Sonnenbrand, als ich ins Ziel kam.
In Wittenberg mussten wir durch die ganze Stadt, aber auch das haben wir gemeistert.
Dann ging es weiterhin parallel der Elbe bis nach Elster, hier haben wir, um 15:30Uhr mit der Fähre den Fluss überquert.
Plattfuss im Osten
Dann ging es weiter, ab- und an merkt man doch, dass wir in den „neuen Bundesländern“ sind, die Strassen, vor allem innerorts sind Kopfsteingepflastert und „Rennradunfreundlich“.
Das hatte auch zufolge, dass ich einen „Schleicher“ hatte, ich musste den Schlauch wechseln, habe alles sehr schnell auf die Reihe bekommen, und als ich die Luftpumpe abziehe fliegt mir das Ventil um die Ohren.
Also musste ich meinen zweiten und letzen Schlauch nehmen, was mich schon beunruhigte, da ich wusste, wir haben noch über 400Km vor uns und kein Ersatzschlauch, wie das Schicksal so spielt haut uns eine Passantin an, die mich an ihren Sohn verweist, der wäre auch RR- Fahrer und hätte eine Standpumpe, wir nichts wie hin und ich habe meinen Reifen vernünftig aufpumpen können, außerdem konnte ich ihm noch einen Schlauch abkaufen, „Puhh“
Das ist Randonneursglück.
Weiter ging es über Globig, Trebitz, Torgau bis nach Riesa, wir sind immer auf guten Bundesstrassen gefahren, was im „Grossen und Ganzen“ kein Problem war und den Vorteil hatte, dass der Belag glatt war.
Wie gesagt, die Nebenstrassen sind richtig Gift für ein RR.
Ab Oschatz ging es durch die Nacht
In Riesa waren wir am späten Nachmittag (nach der Sportschau) und wir hatten langsam ein extremes Bedürfnis nach Spagghetti.
Wir sind noch bis nach Oschatz gefahren (Km 290) dort haben wir ein Restaurant gefunden und dort konnten wir Nudeln essen und uns für die Nachtfahrt fertig machen.
Weiter ging es bis nach Leipzig, was wir nächtlich, in der Stadtrandlage gekreuzt haben.
Dann ging es weiter, westlich, bis nach Weissenfels, hier war bei Km 386 die fünfte Kotrolle.
Richtung Naumburg, Freyburg, Querfurt, es wurde langsam hell was auch gut war, ich bin nachts nur mit Harald gefahren und der wäre aufgrund der extremen Dunkelheit fast in einen unbeleuchteten Bauzaun gefahren, „Gott sei dank“, es ist nichts passiert, das wäre übel ausgegangen.
Das Gelände wurde welliger und mir wurde immer schlechter, ich kann diese ganzen süssen Dinger (Riegel, etc.) nicht mehr sehen und ich hätte fast geko…, ich wurde zusehens müder und ich hatte diesmal auch keine Idee, diese zu übergehen. Ich habe noch einmal einen Leistungsschub bekommen, bin fast explodiert (ich hatte immer im Hinterkopf um ca. 15:00 Uhr zurück zu sein) und dann bin ich fast zusammengebrochen, wir sind jetzt doch saftige Steigungen gefahren und danach habe ich mich mal kurz auf eine Bank gelegt um die Augen zu schließen.
Ich habe mir die Weckfunktion am „Handy“ gestellt, eine ½ Std. und hingelegt, tatsächlich hat mir das richtig weiter geholfen.
Nach 510 Km wird es bergig
Weiter ging es Richtung Sondershausen, Frankenhausen, Erfurt über eine Ellenlange Steigung bis nach Nordhausen, es war 11:20 (Km 510) und wir bekamen den sechsten Stempel.
Aus Nordhausen raus, musste ich noch einmal die Parkbank mit mir konfrontieren, und dann fing ein längeres Drama namens „Harz“ an.
Es ging 15 km stetig Bergauf, was sich noch verkraften lässt, aber dann hinten wieder runter 14% und ich dachte jetzt hast du auch den Harz abgehakt, aber nach dem 14%ér ging es durch ein Senke und hinten genauso wieder hoch (geht ja, wenn man nicht schon 540 km in den Beinen hat) aber so ging das dann doch noch, hoch und runter, bis nach Blankenburg, dann mit Gegenwind nach Halberstadt.
Ich war fertig wie ein ausgelutschter Putzlappen, an der „Tanke“ (bei Stempel 7 und Km 572) wie immer, eine große Flasche Wasser und ein Cola.
Dann ein letzter 50 Km-Ritt, über die B79, nach Wolfenbüttel.
Um 18:30 war ich im Ziel, Unterwegs war ich also 35,5 Std. reine Fahrtzeit kann ich an meinem HAC 4 nicht erkennen, genauso wie die Durchschnittsgeschwindigkeit (die Angabe liegt bei 104Km/h), ist mir aber auch egal, ich weis nur eines, ich habe es geschafft!!!!!!!!!!!!
Gefahren bin ich 635Km, wenigstens diese Angebe stimmt.
Geschafft – das Resumee
Fehler habe ich einige gemacht, die mich fast zur Aufgabe gezwungen hätten. Ich habe vorab einen neuen Sattel montiert, der meine Sitzposition auffällig erhöht hat, konnte diesen aber wegen einem montierten Gepäckträger nicht runter machen, außerdem hatte ich eine beschi…. Hose an, die mich gequält hat, ich war Wund wie ein rasierter „Kinderpopo“. Ich dacht mir bereits zuhause, fahre noch mal ne´ Runde mit dem Rad, ach- das geht schon, fast hätte ich den Salat gehabt. (wie immer – blöd)
Der zweite Fehler war, dass ich zu wenige Brote mithatte, die Süßspeisen hätten mich fast zum Kotzen gebracht.
Außerdem hätte ich mich zum Morgengrauen hinlegen sollen ca. 2-3 Std. schlafen, mir den eigenen Zeitdruck nehmen sollen,
Dann wäre ich entspannt ins Ziel gefahren, ich kann nur sagen „wieder was gelernt“.
Auf nach Paris
Jetzt schauen wir mal, ob ich nach Paris fahre, um meinem persönlichen radfahrerischen Höhepunkt abzuarbeiten. Wie gesagt, ich muss die Form konservieren und noch 2-3 super lange Dinger fahren.
Ihr und ich werdet sehen.
Lutz