2. Großer Preis von MLP
GIESSEN, 10.06.07 – Seinem Ruf, ein besonders schweres bundesoffenes Rundstreckenrennen zu sein, wurde der zweite ‘Große Preis von MLP’ mit Start und Ziel in der Fröbelstraße auch in diesem Jahr wieder gerecht. Als wäre der 1,5 km lange Rundkurs durch den steilen Anstieg am Philosophenwald nicht schon selektiv genug, machte hochsommerliche Hitze das Rennen zu einem echten Ausscheidungsfahren. Die versammelten Zuschauer sahen sieben spannende Wettbewerbe und in der Eliteklasse einen Zieleinlauf, wie man ihn selten erlebt.

Nach einer falsch gedeuteten Jury-Durchsage zogen drei Fahrer im Eliterennen eine Runde zu früh den Zielsprint an – zum Nachteil von Moritz Schütz von der ausrichtenden Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen-Kleinlinden. Doch zuvor standen die Nachwuchsrennen auf dem Programm, in denen die heimischen Akteure alles gaben, um auf ihrer ‘Hausstrecke’ zu glänzen.
RSC Grünberg in Top-Ten
Der ‘Große Preis von MLP’ begann pünktlich mit dem Rennen der Juniorenfahrer, das über 30 Runden die Fröbelstraße hinab, durch den Tannenweg, in den Anstieg ‘An der Liebigshöhe’ und den Philosophenwald hinauf führte. Eine noch längere Renndistanz statt der 45 km hätte sich der im Massensprint drittplatzierte Jakob Thiemeier vom VC Frankfurt gewünscht: “Das Rennen war aber schon richtig schnell und schwer, so dass kein Fahrer ausreißen konnte”, sagte der junge Frankfurter. Hinter dem Sieger Sebastian Scherf vom RV 1899 Hochheim wurde Simon von den Höövel (Bavarian-U19-Cyclingteam) Zweiter. Platz 16 erreichte Dominik Hohmann von der RV Gießen-Kleinlinden; Martin Görnert vom RSC Grünberg biss sich auf Rang 18 durch. Seine Teamkollegen Lukas Wilhelm als Neunter im Rennen der U15-Fahrer und Jannik Wohnhas auf Platz acht in der Klasse U11 schafften heimische Top-Ten-Platzierungen. Eine gute Figur machte auch Jugendfahrer Alexander Bietz von der RV Gießen-Kleinlinden, der sich im Vergleich mit der bundesoffenen Konkurrenz als Zwölfter durchsetzen konnte.
Team delta-bike.de dominant
Die Dominanz der Fahrer des Team delta-bike.de im Jedermannrennen wusste Stefan Schäufle vom Bike-Team Stenger (RSV Wenigumstadt) zu durchbrechen. Er setzte sich nach 20 Runden (30 km) auf Rang zwei zwischen den Sieger Ralf Platt und den drittplatzierten Thomas Langner, die beide für das Team des Wiesecker Radsportladens fahren, das mit 15 Fahrern angetreten war.
Sieben Tage zuvor aufgestiegen
Moritz Schütz von der RV Gießen-Kleinlinden stand beim Start des Eliterennens im Mittelpunkt des Zuschauerinteresses und auch seine 90 Mitstreiter wussten um die bestechende Form des 22-jährigen. Nicht nur dass Moritz Schütz die Startnummer “1” trug; Streckensprecher Hasso Redenz aus Königstein wies auch noch einmal auf den sieben Tage zurückliegenden Sieg des Kleinlindeners beim Großen Preis der Sparda Bank in Bad Dürkheim hin, mit dem er von der C- in die B-Klasse aufgestiegen war. “Moritz hat mich vor dem Rennen noch gefragt, ob ihn ein Sieg bei unserem Rennen zum A-Fahrer machen würde. Da wusste ich, dass er hier etwas reißen will”, sagt Rennsportfachwart und Organisationsleiter Stephan Dietel.
Schütz schafft Überrundung
So verwunderte es nicht, dass sich Moritz Schütz vom Beginn des Rennens an, an der Spitze zeigte und versuchte, eine Ausreißergruppe zu forcieren. Nach einigen erfolglosen Versuchen setzten sich vier Fahrer ab – unter ihnen Lokalmatador Moritz Schütz. Die Fluchtgruppe arbeitete gut zusammen und baute ihren Vorsprung schnell aus. Zahlreiche Zuschauer im Anstieg am Philosophenwald brüllten die Rennfahrer mit Anfeuerungsrufen den Berg hinauf. So schafften es Schütz und seine Weggefährten sogar das Hauptfeld zu überrunden. Der Sieg sollte unter diesen Vieren ausgemacht werden, die eine Runde Vorsprung hatten. Die Glocke zur letzten Runde ertönte. Mit Moritz Schütz setzten sich drei Fahrer ab um den finalen Zielsprint zu fahren. Schütz hatte gut drei Radlängen Vorsprung, als der den Zielstrich überquerte und riss die Arme hoch.
Jury sorgt für Aufklärung
Doch die Jury bremste die Freude über den vermeintlichen Sieg. Jetzt sei noch eine letzte Runde zu fahren, ebenso wie für das übrige Fahrerfeld. Auch Schütz’ unterlegene Begleiter schauten verdutzt. Im zweiten Versuch kam Moritz Schütz nur auf Rang drei. Enttäuschung machte sich bei ihm und dem Publikum breit. Er brauchte einige Minuten, um sich zu sammeln. Von Einsprüchen und Anfechtungen war anfangs die Rede. Doch die Jury konnte schlichten: “Wenn Ausreißer das Fahrerfeld überrunden, wird zwar unter ihnen um den Sieg gefahren, sie gelten aber als rundengleich mit den übrigen Fahrern”, so die Erklärungen der Offiziellen.
Versöhnliches Ende nach verpasstem Aufstieg
Fast in völliger Stille verlief die Ehrung des Siegers Sascha Wolf (Team Vlassenroot U23) und dem zweitplatzierten Phillip Becker (Team Physiodom). Erst als Moritz Schütz das Podium betrat, brach tosender und lang anhaltender Beifall aus. “Moritz ist der moralische Sieger”, meldet sich ein Zuschauer zu Wort. Nach anfänglichem Frust über den verpassten A-Klasse-Aufstieg gab sich der Kleinlindener Elitefahrer ganz professionell: Im Interview mit einem Radiosender schilderte er sachlich seine Eindrücke, ehe er mit seiner Mannschaft zum versöhnlichen Abschlussessen aufbrach.
Nach so viel Spannung soll der Große Preis von MLP auch im nächsten Jahr wieder stattfinden, sind sich die Verantwortlichen der RV 1904/27 Gießen-Kleinlinden einig. (sd)
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