Ein lustiger Abend mit Comedykarakter
Ein lustiger Abend mit Comedykarakter
Neben gutem Essen und Trinken eine Art "Ode" auf das Ergometertraining von Martin Sommerhoff
GIESSEN, 25.12.2009 – Am 22.12.2009 war Jahresschluss bei den Egometerradlern. Bei dem gemeinsamen Abend im Bürgerhaus Kleinlinden sollte bei einem leckeren Essen und guter, bisweilen auch sehr lustiger und stimmungsvoller Unterhaltung, zum einen auf die vergangene Ergometersaison und zum anderen auf das noch bevorstehende eingegangen werden.

In den Reihen der Ergometerradler befindet sich auch der Kabarettist Martin Sommerhoff. Er hatte sich Gedanken über den Sinn und das Tun seiner Sportkameraden und seiner selbst gemacht, dabei sein Werk in professioneller Manier vorgetragen. Im Anschluss sein Vortrag zur guten Unterhaltung.
Dabei muss man für nicht Beteiligte noch folgendes erwähnen. Der “Rädelsführer” ist Heinz Otto Baum, der die Stunde kurzweilig gestaltet und mit den Kommandos “links-links-links” das Tempo der Kurbelumdrehungen angibt. Mit dem Kommando “einen leichter, einen schwerer” wird zum Schalten auf das jeweilige Ritzel hingewiesen und mit “Stufen” sind die “Bremsstufen” der Trainingsrolle, die eine Steigung simulieren gemeint.

Gedanken auf der Rolle – Versuch über das Fahrradfahren auf der Stelle
von Martin Sommerhoff
Wenn es draußen ungemütlich wird, ist ihre Zeit wieder gekommen. Käme hier ein Unbedarfter vorbei, er würde ins Staunen geraten. Von außen wahrnehmbar nur als eine Art Brausen, Brummen oder Zischen, gemischt mit Stimmengewirr; bisweilen unterbrochen von merkwürdig anmutenden, mathematischen Gebetsformeln: „Einen leichter, drei Stufen rein, zwei schwerer, alle Stufen raus!“
Von oben betrachtet: 13 Männer über 50, auf Fahrrädern, aufgestellt im Kreis, legen sich – auf Geheiß eines Rädelsführers – ins Zeug, und treten auf der Stelle, bis sie ins Schwitzen geraten. Raumgewinn: Plus minus Null! – Worum geht es hier?
Der Effizinsgedanke scheint auf jeden Fall nicht ihre vordringlichste Motivation zu sein. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Verhalten von Nagetieren in Gefangenschaft, respektive Goldhamstern in ihren Laufrädern, die sich vergeblich bemühen an ein Ziel zu gelangen, dass sie nie erreichen werden, ist diesem Szenarium nicht abzusprechen. Doch was um alles in der Welt soll das sein? Ein absurdes Theater? Ein Happening? Ein Kunstprojekt? Eine Protestaktion? Ein heidnisches Reinigungsritual zur Besänftigung böser Mächte? – Was für Geister sollen da vertrieben werden?
Ab und an ist die Stimme des Schamanen zu vernehmen: „Links, links, links, links, links!“ – Links, – links, – links, – links, –links …? Vielleicht doch eine politische Kundgebung?
„Und drehen, drehen, drehen, drehen …!“ „Entschuldigung, aber woran denn drehen?“ „Na, am Rad natürlich, Döspaddel, woran denn sonst?“ Da! – schon wieder: „Jetzt fahren wir nach Hause! Noch 1000 Meter!“ Hä…? Nach Hause? – Im Stand? – Noch 1000 Meter? Was soll das heißen?
Fragen drängen sich auf: Kann man vom Fahrradfahren auf der Stelle im Kopf verrückt werden? Gibt es Studien über Langzeitschäden? Und wie machen sie sich bemerkbar?
Unter Eingeweihten erzählt man sich die Geschichte von jenem Stehradler, der seinerzeit einmal völlig entnervt mitten in der Übungsstunde sein Rad gepackt, selbiges samt Rolle über den Kopf gewuchtet und im Bjarne-Ries-Stil durch die Glasbausteinwand ihrer Trainingsstätte katapultiert haben soll; anschließend soll er mit einem respektablen Sprung durch das dabei entstandene Loch ins Freie gehechtet und nie wieder gesehen worden sein. Augenzeugen gibt es keine mehr und wahrscheinlich handelt es sich bei der Geschichte um Radlerlatein der reinsten Sorte, doch muss ich gestehen, dass mir Gedanken solcher Art nicht gänzlich fremd sind, es mir aber bisher an der Entschlossenheit, um nicht zu sagen, an der Mannhaftigkeit gemangelt hat, diese in die Tat um zu setzen. Und wo wir einmal bei Geständnissen sind: Auf meiner persönlichen Hitliste der stumpfsinnigsten Dinge, die man auf dieser Erde tun kann, rangiert Fahrradfahren auf der Stelle auf einem gesicherten Platz im vorderen Mittelfeld.

Doch mit rationalen Überlegungen allein, wird man den Kern des Phänomens nicht ergründen.
Fahrradfahren auf der Stelle ist wie mitmarschieren in einer Karnevalskapelle. Zaungast zu sein reicht da nicht aus, da muss man mitgemacht haben, – da muss man einfach dabei gewesen sein.
Wem es einmal gelungen ist, sich auf großem Blatt und kleinem Ritzel in einer Turnhalle im Wiegetritt einen leibhaftigen Berg vor das innere Auge zu imaginieren, wird am geistigen Reinigungseffekt solcherlei Unterfangen keinen Zweifel mehr hegen. Wer das nicht vermag, dem mangelt es schlicht und einfach an Phantasie.
‚Was gibt es Vergleichbares mit dem einfachen Vergnügen Fahrrad zu fahren?’ (John
F. Kennedy) „Links, links, links, links, links“– und natürlich: Trinken nicht vergessen,
… Prost zusammen!