Rund um Köln 2006
Kleinlindener sind die fünf Schnellsten
17.04.06 – Der rheinische Radklassiker ‘Rund um Köln’ hat seit vielen Jahren noch mehr zu bieten, als einzig das Rennen der Radprofis. So gehörten auch in diesem Jahr wieder ein großes Jedermann-Rennen mit rund 3.500 Teilnehmern und vier stark besetzte Rennen für Nachwuchsfahrer mit Rennlizenz zum Radsport-Programm in der Domstadt. Sieben Fahrer der Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen-Kleinlinden und ihre Betreuer waren am Ostermontag an den Rhein gereist.
Siegerehrung in Köln

Fünf Mal hatte Tim Speier in der Jugendklasse die zehn Kilometer lange Schlussrunde des Profirennens zu fahren. Gut konnte sich Speier während der ersten Runde im 170-köpfigen Feld der Nachwuchsfahrer halten, bis ihm und weiteren acht Fahrern eine regennasse Kurve zum Verhängnis wurde und er stürzte. Auf den folgenden der insgesamt 50 Kilometer wurden die Schmerzen in seinem vom Sturz betroffenen Knie so groß, dass er vorzeitig aus dem Wettbewerb aussteigen musste.
Große Erwartungshaltung
Da es bei ‘Rund um Köln’ für C-Klasse-Fahrer kein eigenes Lizenzrennen gibt, waren die sechs Kleinlindener C-Klasse-Fahrer im Jedermann-Rennen startberechtigt. “Die Messlatte liegt ganz weit oben. Im vergangenen Jahr konnten wir die Mannschaftswertung gewinnen und den Sieg in der Juniorenklasse holen”, berichtete Rennsportfachwart Stephan Dietel vor dem Start über die Erwartungshaltung der Kleinlindener Mannschaft.
Feierlaune

Vorjahressieger als Betreuer
Eine wichtige Rolle spielte schon vor dem Rennen Tim Gattinger. Eben dieser Vorjahressieger der Juniorenklasse konnte aus organisatorischen Gründen nicht mit seinen Teamkollegen an den Start gehen. Stattdessen gehörte er zum Betreuerstab der ‘Linneser’ Equpie und sorgte mit Jacken und wärmenden Trikots dafür, dass die Fahrer bei kühlem Regenwetter nach dem 15 Kilometer langen Weg von der Nummernausgabe zum Startbereich nicht frieren mussten. “Wenn Schuhmacher niemanden hätte, der ihm die Heizdecken von den Reifen nimmt, würde er auch kein gutes Rennen fahren”, wussten die Teamgefährten in der Startaufstellung an der Leverkusener BayArena zu scherzen. So vergingen die 30 Minuten recht schnell, die sie bis zum Startschuss, zu einigen Hundert Fahrern in Startblocks eingeteilt, ausharren mussten.
Taktik “wie im Teamzeitfahren”
Stephan Wieber, Sprintspezialist der Kleinlindener Radfahrervereinigung, gab eine leicht verständliche Mannschaftstaktik für die 62 Kilometer Renndistanz aus: “Wir fahren im ersten Startblock von ganz hinten los und arbeiten uns dann, wie im Teamzeitfahren, gemeinsam bis ganz nach vorne durch. Dann müssen wir dafür sorgen, dass der Block weiter schnell bleibt, denn schon zwei Minuten später kommt die nächste Gruppe.”
“Bei Zeitnahme mittels Transpondertechnik beginnt die Zeitmessung exakt an der Startlinie und endet mit dem Überqueren des Zielstrichs. So könnten, rein theoretisch, auch Fahrer aus einem hinteren Startblock die schnelleren sein, wenn sie weit nach vorne fahren”, erklärte Teamfahrer Benjamin Schenk das Kleinlindener Vorgehen.
Attacke auf der Deutzer Brücke
An der Spitze des Rennens angekommen, sorgten die sechs Gießener Vorstädter mit wiederholten kleinen Attacken für schnelle Fahrweise ihrer Kontrahenten. Souverän meisterten sie die vier Anstiege, darunter die Kopfsteinpflaster-Passage hinauf zu Schloss Bensberg. Es folgten rund 18 flache Kilometer in Richtung Köln, auf denen sich kein Fahrer vom Feld absetzen konnte. Keinen Blick für Kölns Skyline und den Dom hatte Kleinlindens Moritz Schütz auf der Deutzer Brücke, drei Kilometer vor dem Ziel. Mit einem beherzten Fluchtversuch forderte er seine Mitstreiter heraus – wurde aber wieder eingefangen. Sofort setzte Teamkollege Benjamin Rexhäuser eine weitere Attacke. Diesmal gelang die Flucht und er passierte, als Solist vor dem Feld, den ‘Teufelslappen’, die 1000-Meter-Marke.
Rexhäuser fehlt halber Meter
In einem packenden Sprintfinale fehlte Rexhäuser letztlich ein knapper halber Meter im Zieleinlauf. Doch die Kleinlindener Radfahrervereinigung profitierte von ihrer Aufholjagd in der Anfangsphase des Rennens, bei der sie rund eine Minute Zeit gut gemacht hatte. So ging der Tagessieg in der Gesamtwertung und der Gewinn der Männer-Hauptklasse an Benjamin Rexhäuser, gefolgt von seinen Mannschaftskollegen Benjamin Schenk, Moritz Schütz, Stephan Dietel und Stephan Wieber. Sebastian Schubert wurde 33. der 1597 ‘Finisher’ und holte den Sieg der Juniorenwertung nach Gießen-Kleinlinden.
Keine Neider
Dass die ‘Linneser’ ihr Auto kommen lassen mussten, um alle Blumen, Pokale und sieben Flaschen Sekt mit nach Hause zu nehmen, scheute andere Teams nicht, zur erfolgreichen Fahrt der RV Gießen-Kleinlinden zu gratulieren, denn in Jedermann-Rennen zählt das Erlebnis und der Teamgeist – ein schöner Tag muss nicht für jeden zwangsläufig auf dem Podium enden. (sd)
Ergebnisse, RuK-Challenge 60 (Auszug)
1. Rexhäuser, Benjamin (RV Gießen-Kleinlinden, 01:35:25 Std.)
2. Schenk, Benjamin (RV Gießen-Kleinlinden, 01:35:26)
3. Schütz, Moritz (RV Gießen-Kleinlinden, 01:35:28)
4. Dietel, Stephan (RV Gießen-Kleinlinden, 01:35:29)
5. Wieber, Stephan (RV Gießen-Kleinlinden, 01:35:29)
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33. Schubert, Sebastian (RV Gießen-Kleinlinden, 01:37:08)
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