Fleche Allemagne 2006
25.5.2006 – Nachdem ich 2005 bereits am ersten deutschen „Fleche“ bei den “Audax Randonneuers Allemagne”, der deutschen Organisation des “Audax Club Parisien” teilgenommen habe, war mir und auch meinen letztjährigen Teamgefährten klar, da machst Du 2006 wieder mit.
Leider war der Organisator für unser Team beruflich dieses Jahr so stark eingespannt, dass ich vom Rest gebeten wurde dieses Jahr als Kapitän unsere Strecke zu organisieren.
Also habe ich dass auch gerne gemacht und bin ans Werk gegangen.
Kurz noch einmal zur Erklärung: der „Fleche Allemagne“ wird von oben angegebener Organisation überwacht und zwar so, dass sich jeder im gleichen Reglement bewegt.
Die Regeln können gerne bei www.ara.randonneure.de nachgelesen werden.
Die Strecke kann frei gewählt werden. Sie wird mit Landkarte und chronologischer Streckenfolge (d.h. die zu durchfahrenden Orte werden in Reihenfolge aufgelistet) einem Organisator übergeben, der dann die anzufahrenden Ortschaften markiert. Hier müssen dann nachweisliche Stempel eingeholt werden, bei denen auch die Uhrzeit eingetragen werden muss.
Die Streckenlänge muss mind. 360 km betragen. Start ist der Himmelfahrtstag, 24 Std. später muss man auf der Wartburg in Eisenach sein.
Unser Team bestand aus 4 Leuten, nämlich aus:
Thomas L. aus Frankfurt
Thorsten K. aus Frankfurt
Andreas N. aus Buseck und
Lutz Müller von der RV Kleinlinden.
Start zum Fleche

Ich habe schon die Luft angehalten wegen dem Wetter. Aber es war ledier keiner gnädig mit uns und am 25.05. goss es, was das Zeug hielt. Ich wurde morgens wach und ich hörte es schon plätschern.
Ich habe mich richtig regenfest angezogen, sogar eine Regenhose hatte ich an. In der kochte ich wie in einem Kochtopf.
Dann bin ich zu unserem Startort „Bahnhof Gießen“ gefahren. Als ich dort angekommen bin, waren meine Füße schon nass.
Wir haben unseren Startstempel abgeholt und ab ging es, dem Reglement entsprechend um punkt neun Uhr.
Wir fuhren über Wißmar nach Marburg, in Marburg-Wehrda war die erste Kontrolle. Der Wind war mäßig aber er trocknete uns trotzdem immer wieder ein wenig.
In Bad Laasphe, war die zweite Kontrolle und ab da hatten wir Rückenwind. Der war zwar nicht gewaltig, aber zumindest hatten wir keinen Gegenwind.
Ab da fing das Sammeln der Höhenmeter an. Hinter Bad Laasphe fuhren wir eine ellenlange, sanfte, aber nie enden wollende Steigung bis nach Bad Berleburg, die zum Ende hin auch immer steiler wurde, aber trotzdem erträglich blieb.
Von da aus fuhren wir durch Regenwolken verhangene Landschaften, die bereits in dieser Atmosphäre wunderschön waren. Man stellte sich immer wieder die Frage, warum muss man so weit weg in den Urlaub, wenn das schöne liegt so nahe. Aber die Frage beantwortet das Wetter meist selbst.
Ich musste meine Regenhose ausziehen, obwohl es regnete, weil ich doch langsam „gar“ war und diese kochende Atmosphäre hat an meiner Leistungsfähigkeit gezehrt.
Als ich die Hose aus hatte, war es schlagartig besser und ich konnte die Berge hochfahren wie ein „junger Gott“. Zwar kein Vergleich zu Thorsten K. der Radkurier in Frankfurt ist und im Jahr ca. 28.000Km fährt, aber für meine Begriffe gut.
Es ging weiter über Medebach nach Korbach zu unserem dritten Kontrollpunkt. Das Gelände war ein auf- und ab, aber es war zu bewältigen. Der Andreas versuchte unterwegs schon immer mal das Licht einzuschalten, was aber immer wieder nicht funktionierte. Nicht weil er zu „blöd“ war auf einen Knopf zu drücken, sondern weil das Ding einfach kaputt war.
In Korbach versucht er das Ding zu reparieren, aber es war nicht zu reparieren. Also hat er seine Freundin angerufen und sich für Fritzlar verabredet, sie sollte Ersatz bringen. Das tat sie auch. Andreas hat die Lampe ausgetauscht, der Funktionstest war positiv also ging es ohne großen Zeitverlust weiter.
Von Fritzlar ging es weiter über Felsberg, Gensungen, nach Melsungen, wo unsere vierte Kontrolle war. Hier kamen wir um ca. 20:30 Uhr an. Wir haben uns dort in einem größeren „Sitz- Döner“ breit gemacht. Der Wirt hat uns die Heizung angemacht und wir habe Spaghetti gegessen, die Klamotten weitestgehend getrocknet und sind um ca. 22:00 Uhr weiter gefahren.
Wir mussten ab da mit Licht fahren, aber das Licht von Andreas war weiterhin nicht gewillt behilflich zu sein und somit mussten wir ihn in die Mitte nehmen.
Der Regen setzte aus, wir fuhren in die Nacht rein es wurde richtig schön, ohne Regen.
Ich fühlte mich pudelwohl, was mich entgegen meinen sonstigen Nachterfahrungen schon ein wenig wunderte. Aber ich habe einige Dinge anders gemacht als sonst und das hat offensichtlich geholfen.
Bei mir kündigten sich am Nachmittag bereits wieder meine neuartigen Knieschmerzen an, die ich bereits völlig hilflos bei meinem 400ér genießen durfte, als ich den ersten Schmerz spürte habe ich mir in Melsungen 2 Aspirin eingeworfen, die mir richtig geholfen haben, ich hatte keine Knieschmerzen und keine Kreuzschmerzen, trotz Rucksack.
Keine Steigung war mir zu lange und ich hatte keine Ermüdungserscheinungen, körperlich lief ich richtig rund und so kamen wir über Hessisch Lichtenau nach Oberkaufungen zu unserer fünften Kontrolle, alles wunderschöne Fachwerkorte die meine Jungs doch manchmal in Verzückung brachten.
In Witzenhausen, an Kontrolle sechs, haben wir doch noch einmal einen kleinen Adrenalin- Stoss bekommen. In einer Kneipe haben wir uns um Punkt 01:00 Uhr einen Kontrollstempel geholt. Als uns der Junge Wirt gesehen hatte, sagte der sofort, bevor er grüßte, “hier ist geschlossen, ihr könnt gerne Bier von mir zum mitnehmen bekommen, aber Aufhalten könnt ihr euch nicht”. Ich habe ihm mein Anliegen erklärt und er hat mir bereitwillig und beruhigt seinen Stempel verpasst. An der benachbarten „Tanke“ dachte ich schon ich hätte die Startkarten verloren und bin im „Schweinsgalopp“ noch mal zurück in die Kneipe, aber da war nichts. Also habe ich meinen Rucksack noch einmal gründlich durchsucht und da waren sie in einem anderen Fach, „Puhh“.
Von Witzenhausen bewegten wir uns dann ein langes Stück auf der B27 über Bad Sooden Allendorf nach Eschwege, das ging aber auch ganz gut. Ich hatte beim Ausarbeiten der Strecke extra bei der Polizei Witzenhausen angerufen, ob die Strasse für Radfahrer erlaubt sei.
Vollverkleidetes Fahrrad

Um ca. 04:30 kamen wir in Eschwege an und zwei meiner Jungs haben sich schon gefreut dass sie sich mal hinlegen könnten. Wir haben noch 3 mit vollverkleideten „Marke Eigenbau“ Rädern getroffen, die von Bremen auf dem Weg zur Wartburg waren. Die waren echt gut drauf und haben uns erklärt, dass sie super gut in der Zeit wären und noch sehr lange Pause machen könnten. Aber ich hatte schon so meine Bedenken, auch wenn sie auf der geraden unglaubliche Geschwindigkeitsvorteile haben, so sind sie am Berg in gleichen Nachteil. So eine Kiste wiegt annähernd 40 Kg und wie wollen sie diese Kisten über noch kommenden Berge bekommen, geschweige denn zur Wartburg.
Außerdem haben wir noch zwei „Vatertagsgeschädigte“ Kerle auf der „Tanke” kennen gelernt, die nachdem sie gerafft hatten was wir bereits mit dem Rad zurück gelegt hatten, vor Ehrfurcht fast auf die Knie gefallen wären und wir sollten fast noch Autogramme geben.
Andreas lag bereits gemütlich auf dem Tankstellenboden und wir hatten unseren Spaß mit diesen „Saufnasen“.
Aber dann habe ich doch zum Aufbrechen geblasen, weil ich wusste, dass uns noch ein knackiges Profil erwartet. Andreas war das gar nicht recht und meuterte gewaltig. Aber ich sollte recht behalten wir hatten noch fast 1.000HM zu fahren und es waren doch noch 60 Km.
Das Reglement besagt u.a. dass man 25 km vor dem Ziel noch einen Kontrollstempel holen muss. Der Kontrollort in unseren Fall war Sallmannshausen ca. 25 Km vor Eisenach (kennt das jemand?) Hier waren wir doch froh für unsere Mitbürger, dass die Häuser befestigt und eingedeckt waren.
Aber irgendetwas öffentlich zugängliches zwischen Eschwege und Eisenach auf unserer Strecke gab es nicht, außer evtl. ein Briefkasten. Aber ein Stempel war nirgendwo zu bekommen. Also haben wir das Ding selbst unterschrieben unter Angabe meiner Telefonnummer, mehr war leider nicht zu machen.
Wir kamen um ca. 08:00 Uhr in Eisenach an, haben auf den letzten Kilometern noch mehr Mannschaften getroffen und wir fuhren in einer großen Gruppe nach Eisenach ein. Das Team Nr. 10 (das waren wir) musste dann aber, ca. 5Km vor Eisenach doch noch mal stehen bleiben, weil Andreas für den letzten schweren Gang doch noch sein Kette ölen musste, also haben Thorsten und ich uns genüsslich meine letzte Stulle geteilt und wir sind mit nach Eisenach, sind diese brutale Rampe hoch und waren um ca. 08:00 glücklich in Eisenach.
Gruppe im Ziel

Die Vollverkleideten Räder kamen um ca. 09:15 schiebend oben an und ich habe auch sonst noch einige Leute vermisst. Es ist ein gigantisches Gefühl, zwischen den ganzen gleichgesinnten, und das waren nicht wenige (ca.80) bei schönen Wetter, morgens auf der Wartburg zu stehen und sich gegenseitig zu gratulieren.
Das Wetter war doch noch gnädig zu uns, weil wir nicht einen solchen gewaltigen „Platschregen“ hatten und außerdem hatten wir nachts keinen Regen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich körperlich sehr gut durchgekommen bin, ist aber auch egal, es war einfach wieder einmal toll.
Am Ende hatte ich 377 Km auf der Uhr und 4.100HM, ich fand das nicht „schlampig“. Es gab zwar auch ein Team das 570 km gefahren ist, aber wir waren mit uns schon ganz zufrieden.
Ich freue mich bereits jetzt auf mein nächstes „Highlight“ von dem ich euch dann auch gerne wieder berichte.
Euer Lutz